Leidenschaftlich kreativ

Texte und Töne finden für das, was heute bewegt

Einmal im Jahr reisen sie für eine Woche an. Regelmäßig im September. Sie kommen aus dem Norden und Süden, dem Osten und Westen der Bundesrepublik: Frauen und Männer, die Liedtexte und Melodien schreiben; Liedtexte und Melodien, die zur Sprache und zum Klingen bringen, was heute bewegt in Kirche und Gesellschaft.

Wohl einzigartig sind diese Zusammenkünfte in Deutschland. Nicht nur weil sich dichtende und komponierende Frauen und Männer eine Woche Urlaub nehmen und Aufenthalt und Reise aus eigener Tasche bezahlen, nur um miteinander kreativ zu sein. Nein, es sind das Miteinander im Zusammenklang mit den „Spielregeln“, die sie sich gegeben haben. Nicht die Zahl der Lieder am Ende der Tagung ist maßgebend sondern ihre Beschaffenheit. Und um diese Beschaffenheit wird aufrichtig und kritisch diskutiert, zuweilen auch scharf, aber mitmenschlich miteinander gerungen.

Drei Fragen, die Arnim Juhre dereinst in einen Liedtext stellte, sind so etwas wie der „Morgenstern“ der Gruppe: „Was wissen wir? Was glauben wir? Was lässt sich dazu sagen?“

Kennzeichnend für die arbeitsweise der Gruppe ist die wortwörtlich unerhörte Mischung aus Zusammenarbeit und Eigenverantwortung: Jede Autorin, jeder Autor, gleich ob Lyrik entsteht oder Musik, hat die letzte Entscheidung über sein geschaffenes. Zuvor werden die Werke den anderen vorgestellt, sie werden durchleuchtet und hinterfragt. „Das muss noch einmal zurück in Werkstatt“: Ein geflügeltes Wort mit einem halben Jahrhundert Geschichte. Manchmal ist es das Versmaß oder der Reim. Nicht immer scheinen die Worte treffend, klingen zuweilen bereits abgenutzt. Nicht anders die Melodien, wenn Tonfolge oder Rhythmus die Worte der Sprache nicht weiterführen, nicht vertiefen.

Und dann am Ende eines jeden Arbeitstages die Präsentation der Ergebnisse. Nicht selten überraschend, welche Vielschichtigkeit freigelegt wird in den Mehrfach-Vertonungen der in der zunächst so „eindeutig“ erscheinenden Texte. Meist spürt man den zu Gehör gebrachten „Endfassungen“ nicht ab, wieviel Schweiß die Autorinnen und Autoren im stillen Kämmerlein vergossen haben, wie nahe sie in den Plenums-Runden auch den Tränen waren, weil immer noch ein berechtigter Einwand, eine willkommene Anregung vorgebracht wurden. Und doch, auch das gibt es: da wird ein Lied vorgetragen, das sofort ankommt, das fertig und wie aus einem Guß klingt, ein Treffer.

as muss noch einmal zurück in Werkstatt“: Ein geflügeltes Wort mit einem halben Jahrhundert Geschichte. Manchmal ist es das Versmaß oder der Reim. Manchmal treffen die Worte nicht, klingen bereits abgenutzt. Die Runde der Textautorinnen und -autoren nimmt jeden Text, der auf den Tisch kommt, kritisch unter die Lupe. Nicht anders die Komponistinnen und Komponisten, wenn Tonfolge oder Rhythmus nicht die Worte weiterführen.

110915_Neudietendorf_TAKT22Einmal im Jahr reisen sie für eine Woche an. Regelmäßig im September. Sie kommen aus dem Norden und Süden, dem Osten und Westen der Bundesrepublik. Wer 2017 dabei sein möchte, kann die Tage vom 10. bis 15. September im Kalender vormerken.

Treffpunkt ist im kommenden Jahr wieder Neudietendorf in Thüringen, bereits zum zehnten Mal im dortigen Zinzendorfhaus. Vor Jahrzehnten waren der dänische Knivsberg oder Berlin die Orte, um zusammen zu kommen. Dorthin konnten auch Interessierte aus der damaligen DDR reisen. Auch der schleswig-holsteinische Koppelsberg, Orte wie Rheinsberg, Loccum, Wuppertal stehen auf der langen Liste der Treffpunkte.

Was heute bewegt, soll erklingen

130909_Neudietendorf_TAKT_031Eine Leidenschaft verbindet in diesem halben Jahrhundert die Orte und die dort tagenden Menschen, und nun auch mit dem Fachbereich Popularmusik in der Nordkirche: Neue Lieder sollen entstehen, neue geistliche Lieder. Sowohl die Worte als auch die Töne sollen die Gegenwart nicht ausblenden. Themen, Theologie und Fragen, die heute bewegen, sollen Texte und Töne finden und schließlich auch eine Stimme in Gottesdiensten, Versammlungen oder bei Kirchentagen. Dazu dient auch die aktuelle Themenstellung in jedem Jahr.

Viele bekannte Namen

Die Liste derer, die Worte und Töne schufen, ist lang und enthält viele bekannte Namen. Zum Beispiel Wilhelm Willms, Hildegard Wohlgemuth, Kurt Rose, Arnim Juhre, Eckart Bücken auf der Textseite oder Ernst Arfken, Herbert Beuerle, Lothar Graap, Peter Janssens, Jochen Schwarz, Erna Woll unter den Komponierenden. In Gesangbüchern und Liedersammlungen sind ihre Werke zu finden. Und aktuell stehen neue Namen auf Urkunden von Preisträgern und Preisträgerinnen etlicher Liederwettbewerbe: Susanne Brandt, Hartmut Handt, Gertrud Schendel, Ilona Schmitz-Jeromin. Eine eigene Sammlung aus drei Jahrzehnten ist 2007 im Münchener Strube Verlag erschienen: „Singen, um gehört zu werden“.

Scharf, aber menschlich miteinander ringen

texter_3Wohl einzigartig sind diese Zusammenkünfte in Deutschland. Nicht nur weil sich dichtende und komponierende Frauen und Männer eine Woche Urlaub nehmen und Aufenthalt und Reise aus eigener Tasche bezahlen, nur um miteinander kreativ zu sein. Nein, es sind das Miteinander im Zusammenklang mit den „Spielregeln“, die sie sich gegeben haben. Nicht die Zahl der Lieder am Ende der Tagung ist maßgebend sondern ihre Beschaffenheit. Und darum wird scharf aber mitmenschlich miteinander gerungen.

Ein gutes Erbe

Zu Beginn der 1990er Jahre hat sich die Gruppe einen Namen gegeben: TAKT (Textautoren- und Komponistentagung). Die Wurzeln sind evangelisch und dabei von Anfang an ökumenisch ausgerichtet: die 1950 gegründete „Arbeitsgemeinschaft Musik in der evangelischen Jugend“ gehörte genauso zu den Vorläufern wie die katholische „Werkgemeinschaft Lied und Musik“. Seit etlichen Jahren nun schon tagt die Gruppe unter dem Dach des Fachbereichs Popularmusik der Nordkirche.

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